Geschichte des Hauses Werther

Der Aufenthalt des Freiherrn Adam von Hatzfeldt im Haus Werther 1663 und sein Ende auf der Mühlenburg in Spenge im Jahre 1664

Während der 300 Jahre, die das Haus Werther im Besitz der Hatzfeldter war, haben sich die Freiherren v. Hatzfeldt nur sehr selten in Werther aufgehalten.
Adam von Hatzfeldt war der Sohn und Erbe von Johann Adrian v. H. und Anna Voss. Sein Geburtsdatum ist nicht genau bekannt. Die Eltern heirateten 1620.
Er hatte 2 Schwestern Johanna Maria Magdalena und Eva. Die Familie lebte auf  Schloss Schönstein, bei dem Ort  Wissen im Siegerland.
Nach dem Tode des Vaters 1659 hat Adam sein Erbe angetreten und damit auch das Hause Werther als Besitz bis zu seinem Tode 1664 übernommen.
Adam scheint der einzige Hatzfeldter gewesen zu sein, der längere Zeit in Werther anwesend war.
Dies geht aus den Registern für die Jahre 1654/55, 1660/61 und 1663/64 hervor, die dem Heimatverein vorliegen.
Über Adam von Hatzfeldt gibt es sehr wenige Informationen. Vermutlich war Adam gern in Werther, weil seine Schwester Eva seit ihrer Heirat mit Johann Albrecht von Ledebur gleich um die Ecke auf der Mühlenburg lebte. Noch heute zeigt ein Allianzwappen am Torhaus der Mühlenburg aus rotem Sandstein die Verbindung Ledebur-Hatzfeldt. Über eine Chronik des Hauses Ledebur konnte im Gut Crollage bei Preuß.Oldendorf auch ein Gemälde der Schwester Eva ausfindig gemacht werden.
Am 1. Dez. 1663 war Adam wieder nach Werther gekommen und bis zum 9. Febr. 1664 geblieben, wie aus dem Register hervorgeht. Die einzigen Details aus seinem Leben erfährt man aus der  Buchhaltung des Verwalters. Die Aufstellung der Kosten für die Haushaltsführung wurde der Buchhaltung (Register) des Verwalters Frantz Henrich Conßbruch über die Ausgaben des Hauses Werther im Jahre 1663/64 entnommen und transkribiert.
Liest man zwischen den Zeilen dieser Akten, bekommt man einen kleinen Einblick in das damalige Leben im Haus Werther. Im Einzelnen werden folgende Ausgaben vermerkt und damit entsprechende Hinweise über seinen  Aufenthalt gegeben ( Mgr= Mariengroschen):

AusgabestelleThalerMgr
Einem sauerländischen Fuhrmann wegen Überbringung einer Kiste mit Kleidern,
von Wildenburg bis Werther gegeben
128
Den 1. Dez. 1663 Ihr Gnaden Herr Adam Freiherr von Hatzfeldt, mein gnädiger
Herr allhier zu Werther wieder angelangt, bis den 9. Febr.1664 allhier
verblieben, unterdessen gehalten 140 Mahlzeiten  jede Mahlzeit zu 4 ½ Mgr.
1718
Pater Wilhelmy aus dem Kloster Bielefeld vom 15. Dez. bis 9. Febr. 1664
allhier continuierlich, außer 6 Mahlzeiten absent gewesen,
an derer Zeit gegessen 100-mal.   
1218
Bertram (sein Diener) vom 1. Dez. bis 9.Febr. gehalten 140 Mahlzeiten. 118
Der Junge David ?? den 30. Nov. anhero kommen bis 9. Febr. denselben 72 Tage verpfleget für jeden Tag rechne 3 Mgr.6
Für fremde Herren sein laut absonderlich Specification gehalten 71 Mahlzeiten
Fremde Diener 78 Mahlzeiten
824
Der Frühstücke gehalten 2416
Kurz vor Ihr Gnaden Abzuge von Johann Stoik 6 Maß Wein verbraucht weil die Diener außerordentlich viel Bier getrunken, wird zu Ihrer Gnaden Discretion solches gesetzt.1

Während des Aufenthalts in Werther muss Adam ernstlich erkrankt und am 9. Febr. auf die Mühlenburg zu seiner Schwester umgezogen sein, da er dort sicher besser gepflegt werden konnte.
In dem Register von 1664 findet man nun viele Ausgaben für Medikamente und Arztrechnungen.
Es ist zu vermuten, dass der ständig anwesende Pater aus dem Kloster Bielefeld ihm für sein Seelenheil Spenden an die Kirche und Almosen für die Armen nahegelegt hat.
Es wurden auch etliche ausstehende Schulden bezahlt.

AusgabestelleThalerMgr
Den Mönchen in Bielefeld auf Ihr Gnaden Befehl 6 Scheffel Gerste
abfolgen lassen, für das Scheffel rechne 19 Mgr.
36
Ihr Gnaden Kammerdiener Bertram Meyer das halbjährige Lohn,
von Juli 1633 bis 22. Januar 1664 bezahlt mit
12
Adrian Overbeck, so Herrn Doktor Redeker von Bielefeld geholt3
Auf Ihr Gnaden mündlichen Befehl den Geistlichen in Bielefeld geliefert 12
Auf  Ihr Gnaden mündlichen Befehl habe ich den beiden Pastoren in Werther,
dass selbige Ihrer Gnaden im gemeinsamen geistlichen Gebet gedenken
möchten, jedem gegeben
28
Auf Ihr Gnaden Befehl nach dem Siechenhaus gesandt28
Auf Ihr Gnaden Befehl nach dem Siechenhaus gesandt am 22 Febr. einen Boten aus Werther mit Namen Hartwig Küster nach Warendorf an Dr. Giesen gesandt, dafür Botenlohn 16
Für Ihr Gnaden 4 Maß Bier von Lemgo mitbringen lassen9
Auf meines gnäd. Herrn Befehl dem alten Weißschneider auf Overbecks Hof, bei Heinrich Overbeck am 7. März gesandt3
Für eine Tonne Sassenberger Bier ( 112 Liter) am 10. März nach Mühlenburg geliefert.3
Herrn Commisario von Ledebur die auf Ostern 1664 von den 4000 Th. rückständige Heuerraths Gelder (Zinsen auf die Mitgift der Schwester Eva, 5%) bezahlt200
Dem Apotheker in Bielefeld habe ich verfertigte Medizin bezahlt79
Den 2. April habe ich auf Ihro Gnaden mündlichen Befehl nach der Mühlenburg gesandt50
Den Apotheker in Bielefeld eine Rechnung bezahlt mit532
Den 24 April habe ich nach der Mühlenburg gesandt ½ Ohm Bier,( ca. 70 Liter) so meine Frau für Ihr Gnaden meinen Herrn auf dero Befehl gebraut hat.30
Auf Ihr Gnaden Befehl den 30.April abermals den beiden wertherschen Pastoren,
damit sie im Gebet Ihro Gnaden eingedenk sein möchten geschickt   
1
Abermals nach dem Siechenhause gesandt    9
Und dem alten Weißschneider 9
Auf abermaligem Befehl am 21. Mai dem alten Weißschneider und nach dem Siechenhaus je9
Auf Ihr Gnaden Befehl habe ich durch Potthofe zu Nordspenge im Juni abermals eine Tonne Bier von Lemgo (60 Liter) holen lassen
Dem Apotheker für stärkende Lattwerg (Mus, Brei aus Früchten), so derselbe in behuf des wohlsel. Herrn gemacht hat, auf Befehl Ihr Gnade der Freifrau von Hatzfeldt318
Dem Apotheker in Bielefeld Friedrich Coch für einige Medicamenta, so derselbe meinem wohlseligen Herrn abfolgen lassen bezahlt.416

Am 27. Juni ist Adam dann verstorben. Testamentsvollstrecker waren sein Schwager v. Ledebur und seine Schwester Eva.

AusgabestelleThalerMgr
Als Ihr Gnaden Schwachheit je länger je mehr zugenommen, also dass man dero absterben schleunig besorget (befürchtet sein musste), und mir von Wildenberg anbefohlen ward, dass ich so bald nach der besorgenden (dem befürchteten)Todesfall,
Posession (Besitz) in die wertherschen Güter nehmen sollte, habe ich Notarium Erning dazu am 26. Juni bestellt und nach genommener Posession demselben für gehabte Mühe laut Rechnung bezahlt
830
Als die Posession appretendiret an Brantwein holen lassen.4
Der Notar und sein Schwiegersohn Mittag gegessen.9
Bei Ihrer Anwesenheit 5 Maß Wein getrunken.30
Herman Specken als Zeuge bei der Posession gebraucht, einmal gegessen. Wie ich am 3. Juli den Hof in Bielefeld in Posession genommen, habe ich für meinen Unterhalt ausgegeben. Den 29. Juni bin ich nach Bielefeld bei Herrn Oppermann wegen Eröffnung des Testaments gewesen.9

 Da Adam nicht verheiratet war und keine Nachkommen hat, werden in seinem Testament seine beiden Stiefbrüder als Erben genannt. Er setzt aber auch Vermächtnisse aus, die vorab zu vergeben sind.
Als erstes werden die Armen des Hauses Werther und des Kirchspiels Werther genannt, danach der Pater im Kloster Bielefeld, die St. Annenkirche bei Wallenbrück, dann Verwandte und Freunde, seine Schwester Eva und ihre Kinder, sein Schwager, der Verwalter Franz Heinrich Consbruch und Dr. Schmackepfeffer.
Erben die gegen das Testament vorgehen, verlieren ihren Anspruch zugunsten seiner Schwester. (siehe J.Friedhoff „ Die Familie von Hatzfeldt“)
Die Kosten für das Begräbnis sind ebenfalls im Detail aufgeführt.
Da Adam katholisch war und in Spenge gestorben ist, wurde er nicht in Werther, sondern in der Wallfahrtskirche St.Annen ( bei Wallenbrück) beigesetzt. Das geht aus den Kosten für den Grabstein hervor, der vermutlich aus dem Steinbruch an der Hünenburg nach St.Annen gebracht wurde.
Außerdem wurde ein Wappenschild für St.Annen angefertigt. Nachforschungen in St.Annen ergaben, dass bis zu Erneuerung des Fußbodens in der Kirche im Jahr 1850 die Grabsteine von Adam und seiner Schwester Eva vorhanden waren.

AusgabestelleThalerMgr
Behuf des Begräbnis meines Herrn habe ich zur Mühlenburg ausgelegt6023
Dem Küster zu Werther wegen des Verläutens gezahlt3
Behufs des Begräbnisse habe ich bei Jürgen Sonderlage in Bielefeld 6 Flamboye (Flambeau = Fackeln)  machen lassen.512
Auf Ihr Gnaden der Frau Witwe von Hatzfeldt Befehl an Betram Meyer so ihm der wohlseligen Herr vermacht hatte, bezahlt50
Dem Schneidermeister Peter Buxbrügge für verfertigte Trauerkleider und Mantel69
Dem Schneider Johan Kniep für ein Trauerkleid für Bertram, item für 1 Paar Hosen und Strümpfe für den Jungen David.117
Dem Schneider Ludolf  Vinkeldey für ein Trauerkleid für den Jungen David und andere verfertigte Sachen18
Als mein Herr wohlsel. verblichen habe ich Herman Speckmann nach Wildenberg gesandt2
Hermann Gesing für ein Schild worauf Ihr Gnaden Wappen gemalet  und in die Kirche zu St.Annen aufgehangen werden solle, gezahlt16
Dem Glaser Bastian Hellen für selbiges Schild worauf er das Wappen gemalet und mit Golde angelegt und für 18 Wappen auf den Sarg, bezahlt8
Hermann Speckmann für und nach 10 Gänge wegen meines wohlseligen Herrn
Schwachheit nach Warendorf getan, welche Ihr Gnaden wohlselig demselben befohlen, habe ich ihm bezahlet
416
Bei Anwesenheit Ihro Gnaden Frau Wittib von Hatzfeldt seien lt. Zehrungsrechnung an der hersch. Tische 40 Mahlzeiten gehalten5
Diener Mahlzeiten in alles 134148
Frühstück 49226
An Wein an dem hersch. Tische in alles getrunken 23 Maß330
Als meines wohls. Herrn Pferd allhier verpfleget worden. jeden Tag dafür auslangen lassen 1 Scheffel Hafer29
Einen Leichenstein behufs meines Herrn Begräbnis von der Hüneschen Borg
(Hünenburg ?) nach St.Annen durch Courdt und Wentrup führen lassen.
Hans Ernster auf alsolche Leichstein laut Quittung geliefert
5
Niehaus Beckern eine Rechnung für einige Waren, so zu der Trauer ausgenommen bezahlt44
Arndt auf der Brüggen eine Rechnung wegen ausgenommener Waren zu der Trauer bezahlet90

Der Mensch Adam kommt uns näher, wenn man über die recht trockenen Angaben aus der Buchhaltung des Hauses Werther hinaus einen realen Bezug
zu den Orten herstellt, an denen das Leben der beteiligten Personen ablief:    
Haus Werther,  Mühlenburg,  St.Annen,  die Schwester, der Schwager, die Diener, Ärzte, Apotheker usw.
Wie bei einem Puzzle kann mit Geduld Geschichte zusammengefügt und lebendig werden.